Triathlon
KURZGESCHICHTEN


Tobias Meier // Alto Sax, Soprano Sax, Composition
Fabian Gisler // Double Bass
Norbert Pfammatter // Drums, Percussion





Aha und Oho


Lang ist's her, da wurde der Jazz von Whitney Balliett als "sound of surprise" bezeichnet. Tempi passati! Machen wir uns nichts vor: Der Jazz ist eine ziemlich akademische Angelegenheit geworden, die allzu oft in bekannten Bahnen verläuft. Jazzformationen, die etwas wirklich Neues wagen und einem Aha- und Oho-Momente am Laufmeter bescheren, besitzen Seltenheitswert. Triathlon ist eine solche Formation.

Auf dem Papier sieht Triathlon wie ein konventionelles Sax-Trio aus. Doch Tobias Meier (Alt- und Sopransax), Fabian Gisler (Kontrabass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug) halten sich nicht an Konventionen. Die Zauberformel "sax+bass+drums" löst bei Jazzfans unweigerlich ein breites Spektrum an Assoziationen aus - man denke nur an die Aufnahmen so grossartiger Triumvirate wie Rollins-Ware-Jones ("Live at the Village Vanguard"), Coltrane-Garrison-Jones ("Chasin' the Trane"), Konitz-Dallas-Jones ("Motion"), Garbarek-Andersen-Vesala ("Triptykon"), Henderson-Carter-Foster ("Live at the Village Vanguard"), Malaby-Parker-Waits ("Tamarindo"), Fisch-Oester-Pfammatter ("Live im Bird's Eye") etc. Und diese Assoziationen schüren wiederum ganz bestimmte Erwartungen.

Wie die Gruppe Triathlon diese Erwartungen gleichzeitig erfüllt (d.h. u.a.: sie braucht keine Vergleiche zu scheuen) und subersiv unterläuft, zeugt davon, dass hier Musiker am Werk sind, die ganz genau wissen, was in der Vergangenheit abgegangen ist und dieses Wissen aber dazu nutzen, kühn in die Zukunft zu stürmen. Gute alte Jazztugenden werden von Meier, Gisler und Pfammatter auf neuartige und damit unerhörte Weise mit avantgardistischen Konzepten amalgamiert.

Dass die mal vollkommen entfesselte, mal hochgradig abstrakte Musik von Triathlon total frisch klingt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass hier nicht ganz auf Form verzichtet wird, man sich jedoch auch nicht von formalen Vorgaben in ein Korsett zwängen lässt. Während früher das rebellische Potenzial der freien Improvisation häufig in Beliebigkeit bzw. Egozentrik mündete, geben sich die Musiker von Triathlon gemeinsam dem flow der Musik hin und zwar so uneigennützig, dass man das Gefühl hat, dass sie von einer übergeordneten Instanz gelenkt werden - und trotzdem bleibt jeder von ihnen als Individuum erkennbar. Meier, Gisler und Pfammatter spielen keine Rollen, sondern schlicht und ergreifend Musik - Musik voller Phantasie und Punch, Euphorie und Melancholie, Sensibilität und Radau: "sound of surprise".


Discography


Triathlon
"Kurzgeschichten"


WideEarRecords 2009 (WER001) // limited edition

1   Momentum   

2   Entdeckung (klein)   

3   Kurzgeschichte vier   


Press


"Zusammen mit der Win-win-Rhythm-Section Fabian Gisler (Kontrabass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug) schlängelt der Zürcher seine Improvisationen durch bitterzarte Kompositionen, selten forcierend, kaum grob werdend, sondern stets in poetischem Duktus dem Kollektiv dienend."
(Ane Hebeisen, Bund 2008)

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